Konzeption

Kindergarten-Konzeption des Waldorfkindergartens Husum

Zur Wirkung der Pädagogik (Salutogenese und Resilienz)
Zusammenfassend ist zu benennen, dass Erziehung, Bildung und Betreuung die 3 Säulen unseres Kindergartens sind.
Die Familienstrukturen haben sich dahingehend geändert, dass heute etwa ein Drittel der Heranwachsenden keine Geschwister hat, was eine nicht kindgerechte Situation darstellt, die sozial und psychologisch ganz durch die Erwachsenenwelt geprägt ist. Dazu kommt die Erziehungsunsicherheit der heutigen Eltern.
Viele können kaum auf praktische Erfahrungen oder Anschauungen im eigenen Umfeld zurückgreifen.
Die Selbstbildung des Kindes wird gefördert durch die Orientierungshilfe im Tagesablauf und das Verantwortungsbewusstsein der Pädagogen für die gesunden Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes, die durch Schaffung verschiedenster Anreize für Notwendige Erfahrungen sorgen, die die soziale Interaktion fördern und zugleich Schutzraum schaffen, in dem sich das Kind ungestört entfalten kann.
Die untrennbare Doppelheit von Selbstbildung und Bildung durch die Umgebung werden durch verschiedene Übungs- und Lernprozesse fortwährend gestaltet. Die Freiheit und Autonomie der Persönlichkeit des Kindes für das spätere Leben wird unterstützt durch die Möglichkeit, in der Kindergartenzeit eine möglichst feste, gesicherte Bindung an seine Bezugsperson, die Pädagogen, aufzubauen, in dem Sicherheit und Geborgenheit erlebt werden. Das Angewiesen Sein des Kindes auf Bildung und Selbstbildung wird somit gefördert, durch die Bildungsbereiche, die die Basiskompetenzen des Kindes ausbilden:
1. Körper und Bewegungskompetenz
2. Sinnes- und Wahrnehmungskompetenz
3. Sprachkompetenz
4. Fantasie- und Kreativitätskompetenz
5. Motivations- und Konzentrationskompetenz
6. Ethisch- moralische Wortekompetenz
In der anthroposophischen Pädagogik entwickelt das Ich des Kindes durch die Stärkung und Aufrechterhaltung der leiblich-körperlichen Organisation, die Lebenskräfteorganisation und die seelische Organisation.
Bildung und Erziehung haben die Aufgabe, das Kind zu unterstützen bei dem Bemühen, sich als individuelles Ich in seinem Wesensgliedern zu verankern. Die Pädagogen haben dafür die notwendigen Kenntnisse über die Entwicklungsgesetztmäßigkeiten der Wesensglieder und ihr Zusammenwirken und einen diagnostischen Blick für die individuellen Probleme des Kindes, die nicht als Defizite der Persönlichkeit bewertet werden. Sie werden als Hindernisse oder Herausforderungen, denen sich ein vollkommen integres Wesen, das Ich, auf seinem Wege zur Entwicklung gegenüber sieht, das auch durch gesonderte Kinderkonferenzen gemeinsam erarbeitet wird, um eine persönliche Förderung zu finden. Dazu wird unter Umständen auch die Unterstützung von Therapeuten und Ärzten abgewägt. Durch primäre Erfahrungen werden Basalsinne (Tast-, Bewegungs-, Gleichgewichts- und viszeraler-Sinn) ausgebildet, unterstützt und gefördert, sodass das Kohärenzgefühl aufgebaut wird. Basale Sinnespflege und Bewegungskultur gehören zu den dringlichsten Erfordernissen der Elementar- und Grundschulpädagogik. Die Salutogenese bildet die Grundlage des Bildungsprozesses:
Damit das Kind seine individuellen Lebensmotive entfalten kann, um die leibliche körperliche Organisation, die Vital- oder Lebenskräfte Organisation und die gesunde seelische Organisation entwickeln und erhalten kann, unterstützen und leisten immer neue Anstrengungen der Pädagogen ein gesundes Gleichgewicht der Gesamtorganisation.
Die leibliche körperliche Organisation braucht die Gesundheit des Körpers um Kraft für die Selbsterhaltung zu haben. Zum Beispiel:
Gesundes Essen, intaktes Immunsystem durch tägliches Draußen Freispiel.
Die seelische Organisation wird gestärkt durch ein kraftvolles Verbunden Sein mit der Welt, wenn das Kind im Kindergarten erlebt, dass es durch entsprechende Erfahrungen zu der unumstößlichen Gewissheit gelangt ist, dass diese Welt a) prinzipiell durchschaubar ist, b) handhabbar und gestaltbar ist, c) Sinn enthält. So entsteht die seelische Gesundheit, auch wenn eigene Anstrengungen gemacht werden müssen aber es sich lohnt, den Herausforderungen zu stellen.
Die geistige Organisation wird durch Kohärenz-Erfahrungen so gestärkt, dass eine Fähigkeit entsteht, die für das Meistern von Problemen, für den Mut und die Selbstsicherheit des Kindes unabdingbare Voraussetzung. So entsteht beim Kind Resilienz. Widerstandsresourcen gegenüber Herausforderungen, die bewältigt werden können. Tief im Lebensgefühl verankert sich Gewissheit, dass die eigenen Kräfte durch die Auseinandersetzung wachsen werden und Widerstände Anlässe geben, sich selbst zu entwickeln.
Selbstbehauptungsgefühl des Körpers, Kohärenz und Resilienz bilden die Grundlage, dass das Kind ganz persönliche Impulse und Lebenspläne in die Tat umsetzt und somit produktiv und kreativ wird.
Somit ist unsere gesamte Pädagogik salutogenetisch.
Aus dem tätigen Umgang mit der Welt
-in Primärerfahrungen aller Art
-aus dem Erringen der Kontrolle des eigenen Körpers
-aus dem freien, fantasievollem Spiel
-aus der Auseinandersetzung mit der Herausforderung des Lebens
Also aus allen Bildungsprozessen, die gesundheitliche Grundlagen im salutogenetischen Sinne schaffen.
In diesem Sinne kann ein ganzheitliches Einwirken durch die anthroposophische Pädagogik auf die Entwicklung und Förderung des Kindes in unserem Kindergarten berücksichtigt und erlebt werden.
Die durch Kohärenz und Resilienz gestärkte Gefühls- und Willenskraft bilden die Grundlage für die personelle Autonomie des Kindes, Positivität wird veranlagt, Freude am Leben, die wiederum die Kraft gibt, Herausforderungen anzunehmen, sich ihnen zu stellen und an ihnen zu wachsen, wobei der Pädagoge in unserem Kindergarten das Vorbild ist, der authentisch ist und vertrauenserweckend ist und sein Wirken täglich reflektiert.

Waldorfkindergarten Husum

Gruppenstruktur

In den zwei Kindergartengruppen werden Kinder im Alter von 2,5 – 6 Jahren aufgenommen.
Die Gruppen haben ca. 20 Kinder, je nach Alterszusammensetzungung, werden von jeweils einer Gruppenleitung und einer sozialpädagogischen Assistentin betreut.
Die Öffnungszeiten sind von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
Bis 8.30 Uhr sollen die Kinder gebracht werden und können ab 12.00 Uhr wieder abgeholt werden, bzw. die Kinder der Nachmittagsgruppe bis 17.00 Uhr.

Die Eltern-Kind –Gruppe nimmt Kinder ab 1 Jahr auf. Eine Gruppenleiterin und jeweils ein Elternteil des Kindes bilden diese Gruppe in der Zeit von 9 – 11 Uhr zweimal pro Woche. Dieses Angebot dient als Vorbereitung auf den Kindergarten.

In den von uns geführten altersgemischten Gruppen wird eine traditionelle Familiensituation hergestellt, in der das jüngere Kind von den anderen Kindern das Spielen lernt.
Dadurch wird eine wichtige Brücke geschlagen: Die Großen lernen sich zu den Kleinen niederzubeugen und ihnen zu helfen, die Kleinen lernen in die Welt hineinzureichen und um Hilfe zu bitten. Sie haben auch die Möglichkeit von anderen Kindern, gerade von Älteren, zu lernen. Die Großen können auch von den Kleinen lernen.
Wenn nur gleichaltrige Kinder in einer Gruppe sind, so stellen sie nur eine Beziehung zu ihrer eigenen Altersgruppe her. Das kann für das individuelle Kind problematisch sein, denn ein Kind kann innerlich ein anderes Alter haben als nach außen hin. Ältere Kinder müssen manchmal kleiner und manchmal größer sein. In einer altersgemischten Gruppe von 2,5 – 6 jährigen ist es viel leichter für das einzelne Kind die der eigenen Entwicklung entsprechende Entwicklung zu finden.

Pädagogische Grundhaltung

Die Bindung zwischen dem Kind und dem Pädagogen wird bewirkt durch Zuwendung, Zuverlässigkeit, Präsenz, durch den wertehemmenden Blick, durch die Pflege für Basalsinne, durch Raumgebung für Gefühlserlebnisse (Freude, Humor, staunende Aufmerksamkeit, Sicherheit, Angst, Schmerz, Wut und Mitgefühl), beim Anhören von Geschichten und die Gestaltung des Tages- und des Jahresrythmus (vertrauensbildend).
Der Waldorfkindergarten beruht in seinen pädagogischen Grundlagen auf der Allgemeinen Menschenkunde nach Leib, Seele und Geist von Rudolf Steiner.
Diesen Entwicklungsgesetzen gemäß betrachten wir das menschliche Leben in Jahrsiebten. Im Kindergarten kommt das 1. Lebensjahrsiebt in Betracht, in dem Gehen, Sprechen und Denken ausgebildet werden.
Zur Erziehung eines gesunden Selbstbewusstseins des Kindes gehört
Kontinuität.
Zu berücksichtigen ist, dass das Kind erst allmählich ein abstraktes Erinnerungsvermögen entwickelt und zuvor von seinen Sinneseindrücken abhängig ist. Der Geruchssinn, der Hörsinn, der Eigenbewegungssinn, der Tastsinn, der Gleichgewichtssinn und der Lebenssinn werden durch die Erzieherinnen in immer wiederkehrender Wiederholung des Gleichen angesprochen, damit sich über die Sinneserfahrung das Ich selbst betätigen und allmählich mit dem Körper verbinden kann.
Die Sinneseindrücke nehmen Einfluss auf die Bildung der Organe.
Dazu gehört das wichtige Erziehungsprinzip von Vorbild und Nachahmung, das von der Erzieherin ein ständiges Bemühen erfordert, innerlich wie äußerlich nachahmenswert zu sein. Der Erzieher bemüht sich um innere Wahrhaftigkeit und Klarheit. Die Tätigkeiten des Lebens werden mit in den Kindergarten hineingenommen, damit die Kinder Kräfte entwickeln für das nachahmende Spiel.
Zu der Umsetzung der Förderung der individuellen Entwicklung des Kindes bedeutet das, dass das Kind die Feinmotorik an konkreten Tätigkeiten übt, wie zum Beispiel dem Gemüse und Obst schneiden für das Frühstück, bei Fingerspielen, beim Arbeiten an der Hobelbank, beim Malen mit Wachsblöcken und –stiften, beim Filzen und Kneten.
Dieses implizierte Lernen findet sich in allen Elementen des Tagesrythmus wieder. Beobachtungen und Förderung in den verschiedenen Bildungsbereichen werden dokumentiert und mit den Eltern besprochen und eventuell notwendige daraus resultierende Therapien veranlasst. Einzelne Kinder werden zum Beispiel durch veranlasste Frühförderung, Sprachförderung oder tagesrythmische Aufgaben auch durch extern eingestellte Kräfte betreut. Die Vorbereitung auf die Schule erfolgt in kleinen Gruppen. Es wird darauf geachtet, dass die Inklusion dabei gewahrt wird, das einzelne Kind also immer sich der Gemeinschaft zugehörig empfindet.

Eingewöhnung im Waldorfkindergarten Husum

Wir bieten in der Eingewöhnungsphase feste und vertraute Bezugspersonen in der jeweiligen Gruppe und besondere fachliche Aufmerksamkeit für das neu aufgenommene Kind.
Somit ist eine individuelle Eingewöhnung in Absprache mit den Eltern möglich, was bedeutet, dass die Eltern in der ersten Zeit nach der Aufnahme Zeit haben müssen, im Kindergarten mit anwesend zu sein.

Eingewöhnung nach dem Berliner Modell:

Das Kind wird stufenweise in 3 Phasen eingewöhnt und die Eltern haben ein ausführliches Aufnahmegespräch mit den Erziehern, über die Ernährung, die Entwicklung, die Schlafgewohnheiten und das Spielverhalten des Kindes.
Die erste Phase ist die Grundphase, in dieser ist ein Elternteil anfangs mit dem Kind im Gruppenraum, es fängt mit wenigen Stunden an. Die Erzieherin nimmt vorsichtig Kontakt zum Kind auf, zum Beispiel über Spielangebote, die Aufgabe des Elternteils ist, es Sicherheit zu geben.
Die zweite Phase ist die Stabilisierungs- und Trennungsphase, in der die Erzieherin versucht, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Das Elternteil greift nur noch ein, wenn die Erzieherin noch nicht akzeptiert ist, ansonsten ist der Elternteil nur noch anwesend. Nun folgt der erste Trennungsversuch, das Kind bleibt nach kurzem Verabschieden für ca. eine halbe Stunde allein mit den anderen Kindern und den Pädagogen im Gruppenraum. Die Reaktion des Kindes auf die erste Trennung entscheidet über die Dauer der Eingewöhnungsphase. Dann werden die Zeiträume der Trennung allmählich vergrößert.
Die dritte Phase ist die Schlussphase. Sie beginnt, wenn das Kind sein erstes emotionales Band zur Erzieherin geknüpft hat. Es protestiert vielleicht noch bei der Verabschiedung, lässt sich aber schnell von der Erzieherin trösten. Bis die Bindung von Kind und Erzieherin ausreichend ist, sollte ein Elternteil jederzeit erreichbar sein.
Die Betreuung in der Mittags-/Nachmittagsgruppe erfolgt gleichermaßen und baut auf die Zeit am Vormittag auf.

Übergang Kindergarten – Schule

In regelmäßigen zeitlichen Abständen treffen sich in Husum Schulleiter/innen, Lehrer/innen und Erzieher/innen zum Austausch und zu Fortbildungen über das gesamte Thema zur Gestaltung des Überganges vom Kindergarten in die Schule.

Des weiteren führen wir im Kindergarten im Rahmen der Dokumentation ein ausführliches Heft zu den verschiedenen Entwicklungsbereichen des Kindes, in dem die vielfältigen Wahrnehmungen vom Kind gebündelt und strukturiert schriftlich verfasst sind.
Jeder Schritt des Verfahrens dieser Dokumentation trägt dazu bei, die Einzigartigkeit des Kindes besser zu verstehen, sowie seine besonderen Impulse zu erkennen und zu berücksichtigen. Es soll auch abschließend überlegt und geplant werden, welche Unterstützung es noch braucht und wie sie ihm zukommen kann. Das wird am Beginn des letzten Kindergartenjahres mit den Eltern gemeinsam anhand des geführten Dokumentationsheftes ausführlich besprochen.
Die Sichtweisen auf ein Kind, einerseits von den Eltern und andererseits der Erzieher/innen, in den einzelnen Entwicklungsbereichen ergänzen sich. Der Austausch der Bezugspersonen über die jeweiligen Beobachtungen hat eine zentrale Bedeutung für das Verfahren.
Es resultiert durch den Dialog als die Summe der Entwicklungsbeobachtungen etwas, was als Verständnis für das Wesen des jeweiligen Kindes bezeichnet werden kann.
Dieser Moment erlaubt es, behutsam einen Ausblick in die Zukunft des Kindes zu formulieren.
Es ist ein siebenschrittiges Verfahren, nachdem Eltern und Pädagogen die Möglichkeit haben, ihre jeweiligen Beobachtungen anhand des Leitfadens gleichermaßen strukturiert und vorbereitet in das Gespräch einzubringen.
Die sieben Schritte sind:
1. Gesamteindruck (spontane Erlebnisse mit dem Kind, allgemeiner Eindruck bei Motorik, Sprache und sozialem Verhalten)
2. Vorlieben des Kindes (Stimmungen, Tätigkeiten in den jeweiligen Entwicklungsbereichen)
3. Detaillierte Beobachtung (8 Bereiche, werden nachfolgend aufgeführt)
4. Fragen (Auffallende Beobachtung, fehlende Antworten)
5. Entwicklung (in welchen Bereichen beschleunigte Phasen oder Ruhe- und Vertiefungsphasen)
6. Der Dialog (Erzieher und Eltern)
7. Ausblick (Eltern und Erzieher fassen Ergebnisse zusammen, treffen eventuell Verabredungen, Gesamtbild und Blick in die Zukunft schließen das Bild des Kindes ab.
Die einzelnen Entwicklungsbereiche sind
1. Sinnesentwicklung
2. Nachahmung
3. Spiel
4. Motorik
5. Sprache
6. soziales Verhalten
7. Aufmerksamkeit, Ausdauer, Gedächtnis
8. Kunst und Religion
Die Durchführung folgt in den vorhergenannten sieben Schritten. Die Schritte 1-5 dienen eher der Vorbereitung aus der Sicht der Pädagogen und der Eltern, hinführend zu Schritt 6 und 7. Schwerpunkte können markiert werden.
Dieses Beobachtungs-, Entwicklungs- und Dokumentationsverfahren enthält auch ein Formular als Durchführungsnachweis, das in der Einrichtung verbleibt.
Bilder, Ausprüche des Kindes, anderes Beobachtungsmaterial und das Dokumentationsheft werden bei der Verabschiedung den Eltern ausgehändigt und können auch der Schule vorgelegt werden, sofern keine anderen Verabredungen getroffen wurden.

Rhythmisches Prinzip und Sprachbildung

Das Jahr ist den Jahreszeiten entsprechend in 3-4 wöchige Epochen gegliedert. Während der Dauer von einer Epoche wiederholen sich Lieder, Fingerspiel, Reigen, Geschichte bzw. Märchen und Raumgestaltung. Die Wochengestaltung unterliegt ebenfalls einem immer wiederkehrenden Rhythmus(z.B. montags aquarellieren, mittwochs Eurhythmie, donnerstags kneten)
Auch der Tag ist von einer rhythmischen Gliederung durchzogen.
Der Tag beginnt mit einer ersten Freispielzeit.
Es folgt ein Morgenkreis mit Spruch und Reigen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück folgt eine zweite Freispielzeit draußen.
Ab 11.45 Uhr hören die Kinder eine rhythmische Geschichte oder ein Märchen, das frei erzählt wird oder schauen ein Puppenspiel an. Danach können sie noch einmal draußen oder drinnen frei spielen.
Dieses rhythmische Prinzip gibt den Kindern Lebenssicherheit und verstärkt das Vertrauen, welches sie der Welt gegenüber haben.
Indem die Kinder gewohnheitsmäßig wissen, was sie am nächsten Tag erwartet, kann sich ihr Wille in gesunder Weise kräftigen (Rhythmus trägt Leben).
Die künstlerischen Elemente in unserem Kindergartenalltag fördern die Sprachbildung. Durch unser Erziehungsprinzip Vorbild und Nachahmung ermöglichen wir den Kindern den Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen und sein Gegenüber zu verstehen.

Die Pädagogen sind in Sprachförderung speziell ausgebildet und wenden es entsprechend im täglichen Ablauf an, zum Beispiel Reigen, Fingerspiele, Eurythmie, rhythmische Märchen und Geschichten.
Zusätzlich macht 2 mal wöchentlich eine ausgebildete Kraft Extraarbeit in Kleingruppen mit speziell förderungsbedürftigen Kindern und koordiniert die Inhalte mit denen des Kindergartens.

In Abständen wird auch für alle Kinder Eurythmie angeboten, um die Sprachbildung zu fördern.

Der Tagesrhythmus
7.00 – 9.30 Uhr –Ankommen der Kinder, Freispiel drinnen und Frühstücksvorbereitung
9.30 – 9.45 Uhr – Aufräume Zeit
9.45 – 9.55 Uhr – Händewaschen, Verteilen des Goldtröpfchens und Fingerspiel
9.55 – 10.10 Uhr – Reigen
10.10 – 10.30 Uhr – Gemeinsames Frühstück
ab 10.30 Uhr – Zähneputzen, Toilettengang und Anziehen zum Spiel im Freien
11.45 Uhr – Märchenkreis und Abschlussspruch
12.00 – 13.00 Uhr – Abholzeit
Sprachförderung/Wortschatzförderung (nur in Absprache mit den Eltern)

12.45 Uhr – Zusammenführung der Kinder beider Gruppen zum Mittagessen
13.00 Uhr – Beginn mit dem Mittagessen (Vegetarisch mit einem Fischgericht am Freitag, Essenslieferant „de Kollunder“)
13.45 Uhr – Toilettengang, Zähne putzen
14.00 Uhr – Goldenes Tröpfchen und Fingerspiel
14.10 Uhr – Freispielzeit drinnen, die kleinen Kinder gehen zum Mittagsschlaf
14.45 Uhr – Einräumezeit
15.00 Uhr – (1. Abholzeit) Kreisspiel, jahreszeitlicher Reigen, Musikkreis
15.20 Uhr – Anziehen für das Draußenfreispiel
15.30 Uhr – Draußenfreispiel, die kleinen Kinder werden wieder geweckt und auch angezogen
16.15 Uhr – Einräumezeit draußen
16.25 Uhr – Kleiner Nachmittagsimbiss
17.00 Uhr – Ende der Betreuungszeit

Besonderheiten:
Jeden Mittwoch fahren wir mit dem Stadtbus auf das Land und schauen und pflücken Blumen und schauen uns die Tiere an (Pferde, Schafe/Lämmer, Hühner und Gänse, Kaulquappen/Frösche).
4x im Jahr fahren wir auf den Biolandhof Thees und 3x im Jahr zu einem Imker.

Der Wochenrhythmus – Obere Gruppe
Montag: Kneten
Dienstag: Aquarellmalen
Mittwoch: Eurythmie
Donnerstag: Brötchen backen
Freitag: Putzen im Gruppenraum

Der Rhythmus der Wochentage findet sich auch in der Ernährung wieder. Jeder Tag hat sein eigenes Getreide.
Montag: Reis – Milchreis und Apfelmus
Dienstag: Gerste – Gerstenschnitten
Mittwoch: Hirse – Hirsebrei
Donnerstag: Roggen – Brötchen
Freitag: Hafer – Müsli und Obstsalat

Der Wochenrhythmus – Untere Gruppe
Montag: Waldtag
Dienstag: Aquarellmalen
Mittwoch: Eurythmie
Donnerstag: Kneten
Freitag: Obst schneiden

Der Rhythmus der Wochentage findet sich auch in der Ernährung wieder. Jeder Tag hat sein eigenes Getreide.
Montag: Weizen – Brot
Dienstag: Gerste – Gerstenschnitten
Mittwoch: Hirse – Hirsebrei
Donnerstag: Roggen – Brötchen
Freitag: Hafer – Müsli und Quarkspeise mit Obst

Der Jahresrhythmus
Der Waldorfkindergarten ist christlich ausgerichtet, jedoch nicht konfessionell gebunden. Der Zyklus der Jahresfeste wird singend und spielend durchlebt, sowie durch den liebevoll gestalteten Gruppenraum, der bewusst die Jahres- und Festzeiten widerspiegelt, vorbereitet.
Das gesamte Geschehen wird von der ehrfurchtsvoll-religiösen Grundhaltung des Erziehers, der Schöpfung und somit auch dem Menschen gegenüber getragen. Diese Haltung des Waldorferziehers erzeugt die Stimmung, die es dem Kind ermöglicht, sich bei aller Formung und Führung frei zu entfalten.

Phantasiekräfte und das Spiel des Kindes – Spielzeug

Um die Phantasiekräfte der Kinder zu beleben, zu erhalten und zu fördern und um wahrhafte Sinneserfahrungen zu ermöglichen, ist unser Spielzeug einfach gehalten und besteht aus Naturmaterialien.
In dieser Tätigkeit kann das Kind seine Selbstbildung sehr umfassend verwirklichen: Sämtliche Lebensprozesse werden grundlegend gelebt und zugleich bietet das freie Spiel eine hervorragende Grundlage für die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.
Da das Spielzeug möglichst wenig vorbereitet ist, getaucht in die schöpferische Fantasie des Augenbildes, kann das Kind den Dingen der Welt von innen heraus ihre Bedeutung geben. Im Spiel wird dem Kind Gelegenheit gegeben, die täglichen Erfahrungen, die es in der Umgebung macht, aus eigenem Willen zu ergreifen und im nachahmenden Tun kreativ zu verarbeiten. Traumatische Erlebnisse, Hemmungen, Aggressionen oder Ängste können abgebaut und in positive Kräfte umgewandelt werden.
Das freie Spiel verwandelt sich in seiner Eigenart durch die einzelnen Altersstufen (2.-3. Lebensjahr, 3.-5. Lebensjahr und 6. Lebensjahr) hindurch und spiegelt die Fantasiekraft und den Entwicklungsstand des Kindes.

Naturbezogene Umwelt

Natur und Mensch stehen in enger Verbindung miteinander.
Im Waldorfkindergarten versuchen wir diese vielfach verlorengegangene Verbindung wiederherzustellen. Wir machen den Kindern Naturprozesse wieder erlebbar, indem z.B. auf dem Jahreszeitentisch das Geschehen in der Natur hereingeholt wird (Erntedanktisch, von den Kindern Mitgebrachtes wie z.B. Kastanien oder Muscheln…). Das Freispiel im Garten und Spaziergänge in der Natur sind wahre Entdeckungsreisen und so pflegen wir die Ehrfurcht vor der Natur, indem die Kinder staunend erleben, was sie sehen und beobachten können.

Ernährung und Gesundheit

Da zu einer kindgerechten Entwicklung eine gesunde und ausgewogene Ernährung gehört, wird im Waldorfkindergarten vegetarische Vollwertkost aus kontrolliert biologischem Anbau gereicht.

Christliche Grundhaltung

Ohne an Konfession gebunden zu sein, lebt das Christliche als Realität im Tagesgeschehen. Der immer wiederkehrende Ablauf der Christlichen Jahresfeste (Ostern, Pfingsten, Johanni, Michaeli, Advent, Weihnachten und Dreikönig) ergibt den Grundrhythmus für unsere Arbeit. Vor dem Essen sprechen wir einen kindgemäßen Spruch und wir feiern die christlichen Feste, deren Vorbereitung, teilweise mit den Kindern, für uns von pädagogischer Bedeutung ist. So durchzieht jeden Tag und jedes Jahr eine religiöse Stimmung, die den Kindern Schutz, Vertrauen und Freude schenken kann.

Partizipation

Wir begreifen jedes Kind als ein freies und mündiges Wesen. Bei der Begrüßung erzählen die Kinder von Erlebtem des gestrigen Tages oder der Zeit vor dem Kindergarten.
Beim Morgenkreis wird die Befindlichkeit des individuellen Kindes beobachtet und berücksichtigt.
Der Erzieher reflektiert jeden Abend den Kindergartentag um die Wünsche und Belange der Kinder zu berücksichtigen.
Die Wahrnehmung der Belange und Wünsche der Eltern wird durch oder auf den wöchentlich stattfindenden Konferenzen der Pädagogen besprochen und gegebenenfalls umgesetzt.
Für die Entwicklung der Resilienz erlebt das Kind bei uns eine unmittelbare Vernetzung mit den Bezugspersonen, den Pädagogen und den Praktikanten, die dem Kind durch ihr Verhalten vorleben, was es bedeutet, der Welt gegenüber zu treten, dass man sich nicht erdrücken lässt von den Ereignissen, die auf einen zu kommen, sondern sie zu ordnen und zu bewältigen weiß, sie bejaht und ihnen einen Sinn abringt. Das Kind erlebt, dass auch etwas wieder in Ordnung gebracht werden kann.
Positivität wird veranlagt, Freude am Leben, die die Kraft gibt, Herausforderungen anzunehmen, sich ihnen zu stellen und an ihnen zu wachsen. Das Kind entscheidet zum Beispiel selbst, welches Spielzeug es auswählt, um damit zu spielen, denn das Kind ist ein freies und mündiges Wesen.
Beim Aquarellieren und Kneten kann das Kind seine Ideen und Wünsche einbringen.
Ebenfalls durch Menge und Auswahl zum Beispiel bei dem Frühstück.

Dokumentation

Wichtig für die Pädagoginnen ist, durch Beobachtung und Dokumentation herauszufinden, was das einzelne Kind möchte und braucht.
Der Waldorfkindergarten Husum arbeitet mit der Beobachtungsdokumentation: Dialog Beobachtungs-, Entwicklungs- und Bildungsdokumentation für Kinder von 3-7 Jahren
Herausgegeben von der Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. in Deutschland und dem Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Um die Ergebnisse der Lern- und Bildungsfortschritte der Kinder aufzuzeigen, gewährleisten wir mit unserer Dokumentation den Eltern einen Einblick in den Entwicklungsstand ihres Kindes. Hausbesuche und Kinderkonferenzen ergänzen das jährliche Entwicklungsgespräch, um ein umfangreiches Bild vom Kind zu erhalten.

Selbstverwaltung und Elternarbeit

Die Dokumentation wird auf den Hausbesuchen mit den Eltern zusammen besprochen und ein gemeinsames Bild vom Kind entwickelt, eventuell notwendige Hilfestellungen besprochen.
Um die ganzheitliche Entfaltung des Kindes zu gewährleisten sehen wir die Elternarbeit als einen sehr wichtigen Bestandteil unserer Arbeit. Wir wollen familienergänzend und nicht familienersetzend wirksam sein.
Deshalb pflegen wir eine rege Zusammenarbeit in Gesprächen, Hausbesuchen und gemeinsamem Tun.
Der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik ist Träger des Kindergartens.
Er verwaltet sich selbst.
Vorstandsmitglieder, Elternvertreter und das Kollegium nehmen aktiv an der Gestaltung des Kindergartens teil. Aus jeder Gruppe werden zwei Elternvertreter gewählt, die gemeinsam den Beirat der Elternvertreter des Waldorfkindergartens Husum bilden.
Der Vorstand des Kindergartens setzt sich aus aktuellen und ehemaligen Kindergarteneltern, die Mitglieder in unserem Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik NF e.V. sind, und Pädagogen unserer zwei Kindergartengruppen zusammen. Die pädagogische Leitung obliegt dem Kollegium der Einrichtung. Die aufgabenorientierte Selbstverwaltung und die Eigenverantwortung werden durch berufliche Weiterbildung, Elternarbeit und durch Grundlagenarbeit in wöchentlichen pädagogischen Konferenzen, im Lesekreis, in der Supervision, in den monatlichen Vorstandssitzungen und in den Mitgliederversammlungen gestärkt. In allen Gremien wird Transparenz gewährleistet durch Protokollführung.
Der Einbezug von Elternkompetenzen hat in unserem Kindergarten einen hohen Stellenwert. Die Kindergarteneltern wirken aktiv im Vorstand, als Elternvertreter und bei allen Veranstaltungen mit.

Qualitätsentwicklung

Grundlage der Qualitätsentwicklung des Waldorfkindergartens Husum ist die Einhaltung, Umsetzung und Weiterentwicklung unserer pädagogischen Konzeptionen.
Um eine kontinuierliche Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter zu gewährleisten, nehmen diese in regelmäßigen Abständen an internen Fortbildungen, an Fachberatungen durch das Waldorfkindergartenseminar Kiel und an Tagungen des Regionalkreises Nord bzw. an Inseltreffen der Waldorfkindergärten teil. Einmal im Jahr wird im Rahmen der Qualitätsentwicklung ein Rückblick und ein Rechenschaftsbericht des Kindergartenjahres von den Pädagogen reflektiert und Veränderungen, Verbesserungen, Methoden und Ziele erarbeitet.
So entsteht kontinuierliche Qualitätsentwicklung als lernende Organisation.
Die Einbeziehung der Kindergarteneltern ist ebenso ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung. So können Eltern bei der Selbstverwaltung des Kindergartens teilnehmen. Pädagogische Inhalte zur Waldorfpädagogik erhalten die Eltern durch die Pädagoginnen und erfahren somit, dass ihr Vorbild und ihr Verhalten einen positiven Einfluss auf die Bildung und Erziehung ihres Kindes hat.

Schutz des Kindes

Der Waldorfkindergarten Husum möchte, neben der Förderung der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung, der ihnen anvertrauten Kinder, diese ebenso vor Gefahren schützen und für ihr Wohl sorgen.
Alle neuen Mitarbeiter werden daher durch den Kreis Nordfriesland im Rahmen der Fortbildungsangebote zum § 8a SGB V III entsprechend ausgebildet und geschult.
Im Interesse der zu schützenden Kinder verpflichtet sich der Träger des Waldorfkindergartens, der Verein zur Förderung des Waldorfkindergartens Nordfriesland e.V., und der Kreis Nordfriesland zu einer kooperativen Zusammenarbeit.
Die Prävention von Gefährdungen sieht der Waldorfkindergarten in der vertrauensvollen Partnerschaft und in einer Offenheit gegenüber dem Austausch von Informationen, Konflikten oder Beschwerden mit den Eltern des Waldorfkindergartens.

Handlungsschritte:
1. Werden Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung wahrgenommen, erfolgt eine Einschätzung des Gefährdungsrisikos durch die verantwortlichen Fachkräfte bzw. eine kollegiale Beratung innerhalb pädagogischen Konferenz.
2. Werden weitere Hilfen benötigt, um das Gefährdungsrisiko abzuwenden, erfolgt das Hinzuziehen eines verantwortlichen Mitarbeiters des Sozialraum Husum.
3. Weitere Entscheidungsmaßnahmen werden in einem Schutzkonzept durch die untereinander kooperierenden Stellen erarbeitet.

Zusammenarbeit

Der Tag der offenen Tür findet im Frühjahr eines jeden Jahres statt und wird in der Presse sowie durch persönliche Einladungen bekanntgegeben. Der Basar im Herbst wird ebenfalls auf diese Weise organisiert.
Auch Fachkonferenzen, die Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten, der Lebenshilfe und Frühförderung, dem Gesundheitsamt und mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) finden regelmäßig statt.
Die Zusammenarbeit mit den Husumer Schulen wird durch verschiedene Veranstaltungen lebendig und transparent. Der Kindergarten bekommt Beobachtungsbögen der Schulen. Der Kindergarten füllt diese Bögen nur mit dem Einverständnis der Eltern aus. Wird zu Zeugniskonferenzen der ersten Klassen eingeladen und besucht mit unseren Kindern und Eltern bzw. Pädagogen den Tag der offenen Tür.
Der Arbeitskreis Übergang Kindergarten – Schule wird regelmäßig von unseren Pädagogen besucht.

Beschwerdewesen

Bei Unzufriedenheiten über deren Mitteilung freuen wir uns. Wir bemühen uns, Unmut wahrzunehmen, ihn anzunehmen und Lösungen zu finden und fördern die Äußerung von Beschwerden, um uns in unserer Qualität zu verbessern. Wenn es dabei um die Belange der Kinder geht, reagieren wir sofort, ansonsten innerhalb von 3 Wochen.
Sofortige Entscheidungen bezüglich der Kinder werden von den Pädagogen auch in den Konferenzen, ansonsten auf den monatlichen Vorstandssitzungen getroffen. Das betrifft den Personenkreis der Kinder, der Eltern, des Vorstandes, der Nachbarn und den Kontakt zu Kreis, Stadt und Land und die im Punkt 15 aufgeführten Gremien.

Version 09/2018